Bestäubung von insektenblütigen Pflanzen durch den Einsatz der Honigbiene im alpinen Bereich

Elisabeth Thurner / Department für Nutzpflanzenwissenschaften / Projektzeitraum: 2011 – 2014

Standort für den alpinen Bereich. In der Nationalparkgemeinde Obervellach in Kärnten läuft derzeit zu diesem Thema ein 3 jähriges Projekt. Ziel der Studie ist es, durch gelenkte Bestäubung der Honigbiene, deren Einfluss auf die Erhaltung und/oder ein sicheres und besseres Anwachsen einer artenreichen, standortgerechten Vegetation zu beschreiben. Beim Steggraben einem Teileinzugsgebiet des Kaponigbaches in der Nationalparkgemeinde Obervellach handelt es sich um einen repräsentativen Standort für den alpinen Bereich.

Für die Untersuchungen wurden fünf Testplots mit je 20 m² zwischen 1890 m.ü.A. und 2350 m.ü.A. eingezäunt und zur Hälfte mit einem Bienennetz abgedeckt. Auf 2040 m.ü.A. wurden Bienenvölker aufgestellt um das Angebot an bestäubenden Insekten zu verbessern. Um auf Unterschiede bezüglich ausbleibender bzw. eintretender Bestäubung hinzuweisen werden die Pflanzen der abgedeckten und der offenen Flächen miteinander verglichen.

 

Projektgebiet

Das Projektgebiet liegt im Wildbacheinzugsgebiet Kaponigbach in der NP Gemeinde Obervellach. Die ersten Verbauungstätigkeiten im Kaponigbach begannen bereits im Jahre 1880 und werden seitens der Wildbach-und Lawinenverbauung auch derzeit noch fortgeführt. Es wurden technische mit biologischen Maßnahmen kombiniert, um das leicht erodierbare Geschiebe zu binden und nicht in den Kaponigbach gelangen zu lassen um dort in weiterer Folge in Obervellach zu Vermurungen zu führen.

 

Durchwurzelung

Ein Pflanzenbestand oberhalb der Baumgrenze besteht vorwiegend aus Gräsern, Kräutern und Leguminosen.

Gräser sind windblütig und aufgrund ihrer Eigenschaft als Intensivwurzler verantwortlich für eine optimale Bodendeckung und Lückenschließung. Kräuter und Leguminosen sind als Extensivwurzler für die Durchwurzelung tieferer Bodenschichten verantwortlich und sorgen damit für ergänzende Durchwurzelungstiefen (siehe Abb. unten). Sie sind insektenblütig und somit auf die Bestäubung von Insekten wie die Honigbiene angewiesen. In Saatgutmischungen für Hochlagen müssen zumindest 10 % Leguminosen enthalten sein.

Nur eine ausgewogene Mischung dieser drei Komponenten führt nachhaltig zu einem effektiven Erosionsschutz im alpinen Bereich.

 

Bestäubung

Bei der Bestäubung wird der Blütenstaub einer fremden Blüte der gleichen Pflanzenart auf das Narbengewebe einer anderen Blüte übertragen. Diese Übertragung durch Insekten führt unter anderem zur Erhöhung der Samenvitalität, der Keimfähigkeit und des Fruchtansatzes und begünstigt eine kürzere Abblühzeit der Pflanze. Insektenblütige Pflanzen locken die Bestäuber durch Nektar, Farbe, Form oder Duftstoffe an. 

Die Honigbiene als Bestäuber ist mitverantwortlich für den wertvollen Ertrag insektenblütiger Pflanzen in vielen landwirtschaftlichen Kulturen.

 Im Laufe des Projektes wurden Daten von Untersuchungen wie die der Pollenanalyse von eingetragenen Pollen und Honig sowie die Überprüfung der Keimfähigkeit und Samenenvitalität der Pflanzen erhoben. Weiters wurde auf den tatsächlichen Beflug der Honigbiene geachtet. Inwieweit sich die vorherrschende Umgebung auf ein Bienenvolk auswirkt wurde mittels einer Bienenstockwaage, welche über Temperatur und Gewicht eines Bienenstockes Aufschluss gibt, aufgezeichnet. Im Jahr 2012 fand eine vom Nationalpark Hohe Tauern organisierte Exkursion in das Projektgebiet statt.

 

 Die Bedeutung des Projektes

reicht vom Nutzen für die Landwirtschaft (Berasung als Futterbasis für gealpte Weidetiere), für die Wildtiere- insbesondere Konzentrat Selektierer und intermediär Typen (Artenvielfalt, für ein ausgewogenes Verhältnis von Gräsern und Kräutern), für den Tourismus und an der Natur interessierten Menschen (Artenvielfalt Flora und Fauna), bis hin für die laut Gefahrenzonenplan Obervellach in den gefährdeten Bereichen des Kaponigbaches lebenden Personen (unzureichende Berasung => für Wind, Wasser und Temperaturextreme disponierter Boden=> Erosionsprozesse =>Erhöhung der Geschiebefracht des Kaponigbaches =>Systemübergang zu murartigen Prozessen.)


Mitwirkende Institutionen

ARGE Bienenforschung BOKU Wien/IPP BOKU Wien /FTD für Wildbach und Lawinenverbauung Sektion Kärnten und Sektion Tirol/LfZ Raumberg Gumpenstein/Institut für Bienenkunde AGES

 Rückfragehinweis: Elisabeth Thurner, lizthurner@gmx.at, 0650/8181899